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Januar 2006
August 2005
April 2005
Juli 2004

Internationale Herbst-Konzerte
MusicaMallorca

Im dritten Jahr seines Bestehens konnte das Festival MusicaMallorca erneut mit einem vielseitigen Programm aufwarten und diesmal ein besonders attraktives Eröffnungskonzert präsentieren. DIANA DAMRAU und IVAN PALEY, in Auftritten als „Das Lied-Duo" vielerorts bereits erfolgreich, gaben im Teatro Municipal Xesc Forteza einen Abend mit Liedern sowie Arien und Duetten aus Opern von Mozart und Rossini. Die Spannbreite der beiden Künstler, die wiederum von dem einfühlsamen und sensiblen Pianisten STEPHAN MATTHIAS LADEMANN begleitet wurden, zeigte sich bei diesem gemischten Programm in imponierender Manier. Nach der Eröffnung des Abends durch offizielle Vertreter von Tourismus und Kultur der Stadt Palma sowie dem Geschäftsführenden Direktor des Festivals, Wolf D. Brümmel, boten die beiden Solisten im ersten Teil des Programms Bekanntes aus ihrem Lied-Repertoire von Schumann, Brahms und Mahler. Besonders berührten die Zwiegesänge „Schön ist das Fest des Lenzes" und „Familien-Gemälde“ in ihrem nostalgischen Erinnern an die Vergangenheit und der harmonischen Verflechtung der beiden Stimmen. Weitere Kostproben aus dem reichen Liedschaffen Schumanns gab es mit der von Diana Damrau innig vorgetragenen „Widmung" und dem von Iván Paley mit strömendem Legato und nobler Kultur gesungenen „Du bist wie eine Blume". In der dialoghaften Gestaltung und dem mimisch pointierten Vortrag entzückten zwei Duette aus Brahms „Deutschen Volksliedern", zu denen die beiden Sololieder in starkem Kontrast standen - der Bariton mit wunderbar weichem Klang in „Wach auf, mein Herzensschöne“ und die Sopranistin mit bezwingender Natürlichkeit in „Da unten im Tale". Wie beide Sänger stets den schlichten Ton dieser Volkslieder zu treffen verstehen und mit lupenreiner Diktion aufwarten, ringt immer wieder Bewunderung ab, zumal Paley Argentinier ist, es in der Artikulation der deutschen Sprache jedoch zu staunenswerter Vollkommenheit gebracht hat.

Auch bei einigen Titeln aus Mahlers „Wunderhom“-Liedern erfreuten die spielerische Art des gemeinsamen Musizierens, der hinreißende Charme in der Präsentation und das perfekte Zusammenspiel in den verteilten Rollen. Mit welcher Koketterie die Damrau in „Verlor'ne Müh" um den Buben wirbt und wie Paley griesgrämig und störrisch darauf reagiert, ist ein Kabinettstück für sich. All der hintergründige Humor, die scheinbare Naivität und auch der bittere Ernst in Mahlers Kompositionen werden in der Interpretation der beiden Sänger und ihres Begleiters eingefangen.

Hatte sich die Begeisterung der Zuhörer schon nach diesem ersten Teil lautstark geäußert, so erreichte sie bei den Ausschnitten aus beliebten Opern wahrhaft südliches Ausmaß an spontanem Jubel. Im nächsten Jahr wird das Festival im Zeichen Mozarts und seines 250. Geburtstages stehen, worauf die ersten Stücke verwiesen - das von Diana Damrau mit zauberhafter Lockerheit gebotene „Un moto di gioia" und die von Iván Paley hintersinnig und mit einem Augenzwinkern vorgetragene „Warnung". Danach machte die Sopranistin mit Susannas Rezitativ und Arie „Giunse alfin il momento“/„Deh vieni non tardar" auf ihr bevorstehendes Debüt in dieser Partie an der Mailänder Scala aufmerksam. Mit reichem lyrischem Ton, zarter Innigkeit und sehnsuchtsvollem Ausdruck war diese Szene erfüllt und das folgende Duett mit dem Conte („Crudel! Perche finora") so lebendig gestaltet, dass man die Bühne nicht einen Moment vermisste. Paley fand hier zur idealen stimmlichen Mischung aus fordernder Energie und schmeichelnder Verführung, Damrau zu raffinierter Doppelbödigkeit zwischen scheinbarer Ergebenheit und heimlichem Spott. Die Kunst der zwei Ebenen gelang dem Bariton auch in der Canzonetta des Don Giovanni, die zwischen vorgetäuschtem Schmerz und geschickt eingesetzter Sinnlichkeit pendelte und zudem auch vokal mit einem Gesang von betörend weicher Resonanz einen Höhepunkt des Programms markierte. Reizend gespielt und gesungen war das berühmte Duett „Là ci darem la mano", in der die Sopranistin die anfängliche Ungläubigkeit Zerlinas sowie deren Zögern und allmählich wachsendes Verlangen hinreißend ausspielte und der Bariton alle stimmlichen und darstellerischen Trümpfe des unwiderstehlichen Verführers zog

Mit den letzten Beiträgen des offiziellen Programms aus Rossinis „Il barbiere di Siviglia" konnten die beiden Solisten die euphorische Stimmung im Saal sogar noch steigern. Die Rosina bedeutet ein weiteres Rollendebüt für Diana Damrau - im Oktober 2006 an der Met -; und nach diesem Vorgeschmack von Palma mit einer Cavatina von katzenhaftem Charme und brillanter Koloratur dürfen die New Yorker Opernfreunde schon jetzt auf diesen Auftritt gespannt sein. Ist die Sängerin für ihre umwerfende Bühnenpräsenz, die auch im Duett mit Figaro („Dunque io son") auf das schönste zu erleben war, allerorten ein Begriff, so überraschte der sonst eher introvertierte und ernsthafte Liedersänger in dieser Szene durch seine buffoneske Begabung und den mühelosen Fluß der Koloratur. Zwei Zugaben waren der Dank an das Publikum - eine in fiebriger Spannung gebotene Champagnerarie sowie der mit purer Sinnlichkeit und voluminös auftrumpfendem Sopran servierte Walzer der Musetta aus Puccinis „La Bohème". Danach bot eine Autogrammstunde im Foyer des Teatro Gelegenheit zum persönlichen Kontakt mit den Künstlern, die zudem ihre bei telos music vocal erschienenen Mahler-CDs signierten.

 

Bernd Hoppe, Orpheus international Journal 1+2 / 2006

 

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August 2005 Das Klavier als Orchester

Beim Label Telos erscheint eine Neuaufnahme von Mahlers „Lied von der Erde" - zum ersten Mal in der Fassung für Tenor, Bariton und Klavier. Björn Woll hat die Musiker Robert Dean Smith, Ivan Paley und Stephan Matthias Lademann bei den Aufnahmen in Mechernich besucht


Björn Woll: Herr Paley und Herr Lademann, Sie haben ja beide schon bei den Aufnahmen zu Mahlers Liedern aus „Des Knaben Wunderhorn" zusammengearbeitet (s. FF 7/04). Jetzt erscheint mit dem „Lied von der Erde" das Folgeprojekt. Was fasziniert Sie so an diesem Komponisten?

Ivan Paley: Ich habe Mahlers Musik vor drei Jahren entdeckt. Zuerst habe ich mir seine Werke nur angehört, und dann wollte ich unbedingt die „Wunderhorn"-Lieder singen, da sie eine einzigartige Möglichkeit darstellen, Volks- und Kunstlied miteinander zu verbinden. Auf einmal war es dann wie eine Droge, und ich musste mich weiter mit Mahler beschäftigen - mit seiner Musik, seinem Werk, seiner Arbeit.

Stephan Matthias Lademann: Ich will es einmal ganz pragmatisch sagen: Für mich hat jeder Komponist seine Zeit. Ich habe mich zum Beispiel lange mit Schumann beschäftigt. Zu Mahler bin ich dann mehr oder weniger durch Zufall gekommen. Für mich sind seine Werke in erster Linie eine wahnsinnige Herausforderung. Ich dachte damals, dass die „Wunderhorn"-Lieder das Ende der Fahnenstange kennzeichnen, was die pianistischen Anforderungen angeht. Doch das „Lied von der Erde" geht darüber noch weit hinaus.

BW: Schon bei den „Wunderhorn"-Lieder haben Sie mit der ersten kompletten Einspielung des Zyklus für zwei Singstimmen mit Klavierbegleitung die ausgetretenen Pfade der Mahlerinterpretation verlassen. Jetzt sind Sie wieder die Ersten, die das „Lied von der Erde" in der Besetzung Tenor, Bariton und Klavier für die Schallplatte aufnehmen. Ist es gerade dieses Prinzip des Neuen, das Ihrer Gustav-Mahler-Liedausgabe zugrunde liegt?

IP: Das kann man so sagen. So viele wunderbare Sänger haben bereits Mahler-Lieder aufgenommen - Thomas Hampson, Dietrich Fischer-Dieskau, Christa Ludwig. Auch die Klavierfassung von „Das Lied von der Erde" wurde schon einmal eingespielt, mit Brigitte Fassbaender, Thomas Moser und Cyprien Katsaris. Aber mit Bariton gab es das noch nie. Das ist eine neue Facette des Werkes, und die wollen wir zeigen.

BW: Woher kam die Idee für diese Aufnahme?

IP: Die hatte ich, als ich einmal im Klavierauszug vom „Lied von der Erde" blätterte. Dazu muss man wissen, dass es sich dabei nicht um eine reine Reduktion des Orchestersatzes handelt. Vielmehr ist der Klavierauszug eine eigenständige Fassung, die aus Mahlers eigener Feder stammt. Die gibt es im Übrigen von all seinen Werken. Da heute die Klavierfassung mit Fassbaender und Moser nicht mehr erhältlich ist, kam mir die Idee, davon eine neue Aufnahme zu machen und die Version für Bariton und Tenor zu wählen.

Robert Dean Smith: Die Klavierfassung eröffnet auch ganz andere Möglichkeiten, das Werk aufzuführen. Man braucht dafür keinen großen Konzertsaal und kein Riesenorchester. So wird das Werk auch für kleinere Bühnen interessant, denn man muss nur drei Leute bezahlen und nicht 100. Das ist doch wunderbar, denn es lohnt sich, diese Musik aufzuführen. Auch in der Klavierfassung.

BW: Warum hat Mahler von seinen Werken immer zwei Fassungen - für Klavier und für Orchester- erstellt?

IP: Das weiß man nicht genau, da Mahler sich dazu nie selbst geäußert hat. Wahrscheinlich hängt das aber mit seinem Kompositionsstil zusammen. Im Sommer hat er komponiert und die Klavierfassung erstellt, im Winter folgte dann die orchestrierte Partitur. Er hatte sozusagen einen immer gleichen Modus Operandi. Dabei können Klavier- und Orchesterfassung deutlich auseinander klaffen, wie etwa bei den Kindertotenliedem. Da gibt es unter anderem große Unterschiede in der Dynamik, die Mahler ganz bewusst so komponiert hat. Beide Fassungen stellen letztendlich also ein autonomes Kunstwerk dar.

BW: Im Fall vom „Lied von der Erde" kann man die Klavierfassung allerdings als „unvollendet" bezeichnen. Warum?

IP: Wie bei allen Werken beendete Mahler die Arbeit an der Klavierfassung im Sommer. Bis zur Orchestrierung im Winter hat er aber an dem Stück weitergearbeitet, so dass erst die Orchesterpartitur alle musikalischen Angaben zu Tempo und Dynamik enthält. Sein Tod hinderte ihn nun daran, diese auch in die Klavierfassung zu übertragen. Daher mussten wir zunächst einmal beide Fassungen miteinander vergleichen und die fehlenden Angaben im Klavierauszug ergänzen. Vor allem in den Ecksätzen waren die Übertragungen noch nicht zu Ende gebracht. Hinzu kommt noch, dass Mahler „Das Lied von der Erde" nicht mehr selbst aufführen konnte. Veränderungen, die er sonst bei den Proben zur Uraufführung vornahm, waren also auch nicht mehr möglich.

BW: Herr Smith, Sie haben das Werk schon in der Orchesterfassung gesungen, haben also den direkten Vergleich. Wo liegen die Unterschiede?

RDS: Die Anforderungen an den Sänger sind eigentlich die gleichen, nur hat man eine Schwerpunktverlagerung. Mit Klavier muss man sehr konzentriert singen und viel mit Farben arbeiten, da der Satz sehr durchsichtig ist. Da hört man jede kleine Nuance. Mit Orchester ist die größte Herausforderung, gegen diesen riesigen Apparat anzusingen. Manchmal ist das dann nur Power. Für mich ist es angenehm, mit Klavier zu singen, da ich mich sängerisch nicht so verausgaben muss. Es ist zwar immer noch groß und breit gedacht, aber es ist nicht so laut.

BW: Fehlen nicht die Farben des Orchesters?

RDS: Das habe ich mich auch gefragt, bevor wir angefangen haben. Wie wird wohl das Vorspiel klingen, wie die Zwischenspiele? Und ich war ein wenig skeptisch. Aber als ich es zum ersten Mal gehört habe, waren alle Zweifel verflogen.

BW: Was meint der Pianist dazu? Ist es nicht furchtbar schwierig, wenn man mit zehn Fingern ein ganzes Orchester ersetzten soll?

SML: Man könnte es so sagen: Es sind verdammt viele Noten auf einem Blatt Papier. Aber mal ernsthaft: Mahler komponiert in allen Stücken, die er für Klavier geschrieben hat, mit wahnsinnig vielen Trillern in allen Stimmen, manchmal sogar gleichzeitig. Hinzu kommen noch die riesengroßen Griffe, die nicht immer leicht im Tempo zu spielen sind. Bei den ganzen Details ist es dann ziemlich schwierig, den Fluss der Musik zu wahren.

BW: Was sind die größten Probleme für die Sänger?

RDS: Für den Tenor ist es die schwierige Lage. Es ist hoch und exponiert mit einer sehr großen dynamischen Bandbreite. Hier die Flexibilität zu bewahren ist nicht einfach. Außerdem liegen viele Phrasen in der Übergangslage. Aber das wollte Mahler wohl so. In dieser Passagio-Lage zu singen erzeugt eine gewisse Spannung, und die hat er ganz bewusst mitkomponiert.

IP: Für den Bariton sind die Probleme ein bisschen anders gelagert. Seine Stücke sind nicht so extrovertiert wie die des Tenors und schwanken nicht so zwischen den Extremen. Sie sind langsamer, leiser, gleichsam verinnerlicht. Dennoch sind die technischen Anforderungen enorm. Mahler verlangt hier einen Stimmumfang von zwei Oktaven. Da muss man vor allem darauf achten, dass die Stimme klar bleibt und die Register ausgeglichen sind. Nicht ganz einfach, wenn man etwa in unbequemer Lage ein Diminuendo machen soll. Außerdem braucht man eine kultivierte Kopfstimme, die aber nie künstlich klingen darf.

BW: Oft wird das „Lied von der Erde" als Mahlers persönlichste Komposition bezeichnet. Würden Sie dem zustimmen?

IP: Auf jeden Fall. Mahlers Leben hatte sich damals grundlegend geändert. Man spricht immer ein bisschen pathetisch von den drei Schicksalsschlägen: Zuerst starb seine geliebte Tochter Maria, dann wurde bei ihm ein Herzklappenfehler diagnostiziert und schließlich endete noch seine Zusammenarbeit mit der Wiener Hofoper. Dadurch hat sich praktisch alles in seinem Leben geändert. Ich würde sagen, das „Lied von der Erde" ist Mahlers Tagebuch, denn hier schreibt er am persönlichsten. Das wird besonders deutlich, wenn man es mit seinem Vorgängerwerk vergleicht, der achten Sinfonie. Es gibt wohl kaum gegensätzlichere Werke im Oeuvre eines Komponisten als „Veni, creator spiritus" und das „Lied von der Erde". Für mich scheint es sogar manchmal so, als wäre es gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern sollte Mahlers ganz persönliches Bekenntnis bleiben.

Die neue CD erscheint Anfang September 2005
telos music vocal, TLS 1002

Fono Forum
AAusgabe 8/05

 

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April 2005 Empfehlung des Monats Fono Forum April 2005

TLS 047 Paganini Vol. II
Konzerte für Violine und Orchester II & IV



MMehr Musik, als man glaubt
Wohl kein Interpret der jüngeren Ge-neration hat sich in den letzten Jah-ren derart gewissenhaft und geigerisch kompetent um das Werk Niccolò Paganinis bemüht wie Ingolf Turban. Übrigens auch um andere Komponisten, die nach einem Virtuosen der Extraklasse verlangen, wie et-wa Heinrich Wilhelm Ernst oder Karl Amadeus Hartmann. Nach den Paganini-Violin-konzerten Nr. 1 und Nr. 3 legt Turban bei Telos nun die Konzerte Nr. 2 und Nr.4 vor, als zweite Folge seiner Gesamtaufnahme mit dem WDR-Rundfunkorchester Köln unter Leitung von Lior Shambadal.

Turbans Paganini klingt überaus ton-schön, kantabel und kristallklar. Hier spielt kein Draufgänger mit offenem Hemd und fliegenden Haaren, sondern ein wissender Musiker mit einem überragenden geigeri-schen Können. Turban veredelt die Musik Paganinis förmlich; da klingt nichts banal (auch im Orchester) und nur nach sportli-cher Violingymnastik. Natürlich steht Tur-ban völlig über den Dingen, und der Hörer fühlt sich beglückt bei einem derartigen Triumph über die Materie. Hier kann man sich entspannt zurücklehnen und auch die vertraktesten Passagen genießen - ohne je einen „Absturz" fürchten zu müssen. Aber letztlich lenkt Turban das Ohr auf die Mu-sik. Und davon steckt mehr in Paganinis Partituren, als man vielleicht glauben mag.

KKein Zweifel: Ingolf Turban gehört zu den ganz großen Paganini-Interpreten. Er steht — in seiner dezidiert persönlichen Art und Weise - in einer Reihe mit Prihoda, Ricci, Rabin, Ashkenasi und Accardo. Ingolf Tur-ban, ein Paganini-Spezialist? Vielleicht. Aber Mozart spielt er ebenso feinsinnig.

NNorbert Hornig
Fono Forum 4/05

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Juli 2004 Toblach/Dobbiaco
Das Toblacher Gustav-Mahler-Komitee gibt bekannt:
Internationaler Schallplattenpreis/ Premio discografico
„Toblacher Komponierhäuschen 2004“/ „Casetta di composizione di Dobbiaco 2004“


Sonderpreis/ Premio speciale:

Gustav Mahler: Sämtliche Lieder aus “Des Knaben Wunderhorn”
in der Fassung für Singstimme und Klavier
Diana Damrau, Sopran; Iván Paley, Bariton;
Stephan Matthias Lademann, Klavier

Aufnahme/incisione: Mai & September 2003, Mechernich, Deutschland
telos music vocal TLS 1001 (2 CD) Vertrieb: Klassik Center Kassel

Diese erste integrale Einspielung sämtlicher 24 “Wunderhorn”-Lieder Mahlers in der ursprünglichen Fassung mit Klavierbegleitung erhält den diesjährigen Sonderpreis der Toblacher Jury in erster Linie wegen ihres experimentellen Ansatzes und ihres hohen Repertoirewerts, und nicht unbedingt aus rein künstlerischer Zustimmung. Der junge argentinische Bariton Iván Paley und die junge deutsche Sopranistin Diana Damrau wagen es hier, den Facettenreichtum dieser nicht nur volkstümlichen, sondern auch äußerst vielschichtigen Musik lebendig auszuleuchten. Sie werden dabei impulsgebend unterstützt von dem hervorragenden Liedbegleiter Stephan Matthias Lademann, dessen prononciertes Spiel die Modernität dieser Lieder erst recht herausarbeitet. Innerhalb der ohnehin eher schmalen Diskographie der “Wunderhorn”-Lieder, vor allem in der ursprünglichen Klavierversion, überzeugt diese Neuproduktion durch ihren überaus frischen, unmanierierten, aber reflektierten Zugang, der freilich auch Widerspruch hervorrufen mag. Zwar räumt auch Iván Paley in seinem Booklet-Text ein, daß Mahler weder an Rollenlieder noch gar an Duette gedacht hat, doch hat das ihn und seine Partnerin nicht davon abgehalten, die immanente Dialogstruktur der Gesänge herauszustellen, und das trotz des naheliegenden Einwands, daß Mahlers Dialoge sich auf imaginärer, kaum auf realer Ebene bewegen. Einem solchen mutigen Unternehmen gilt deshalb die Zustimmung der Jury jenseits aller Bedenken, denn die Anstösse dieser Neuproduktion sind letztlich entscheidender als die Fragwürdigkeiten, denen sie auch nicht ausweicht.
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