Große Liebe

Ein Steinway von 1894, ein charakter­voll satter Klang von nostalgischem Char­me. Und Beatrice Berthold, die sich bereits bei EMI für die „Goyescas" von Granados punktgenau stark
machte, huldigt ihrer Liebe zur iberoamerikanischen Musik mit Grandezza. Die Pia­nistin hat die rhythmische Energie und den rechten Instinkt für das Idiomatische dieser Werke. Sie arbeitet in der ersten Sonate von Granados mit fast bruitistischer Kraft die Modernismen heraus, führt Villa-Lobos auch in die Nähe zu Strawinsky und hält für die Impressionen aus Spanien, Brasilien und Argentinien eine nuancenreiche Farbpalette bereit. Allein der Flügel, der einst dem Gei­ger Peter Rybar gehörte und den schon Clara Haskil wie Alfred Cortot schätzten, ist ein Ereignis.        

Bewertung
Interpretation
Klangqualität

Michael Stenger, FONO FORUM 3/06

Sehr intensiv hat sich Beatrice Berthold in den vergangenen Jahren mit spanischer und lateinamerikanischer Musik auseinander gesetzt. Das Ergebnis dieser starken Affinität - auch zu Sprache und Tanz - liefert sie mit Ibero-American Passion. Klangsatt und temperamentvoll begegnet sie dem hispanischen Zauber, versteht es aber auch, hinter die Oberfläche dieser eindringlichen Musik zu schauen. Hier gibt es die düstere sehn-suchtsvolle Melancholie eines Villa-Lobos oder die etüdenhaft spanische Me­lodik Granados zu entdecken. Bertholds Gespür für die richtigen Zwischentöne auf der Skala - die von folkloristischem Schwung, hin­reißender Spontaneität bis hin zu farbiger Schattierung und seelenvoller Kunstmusik reicht - macht sie zu einer echten Botschafterin des spanisch-südamerikanischen Repertoires.

Anja Renczikowski, Piano News 1-06

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