EXTRASILBER
Drei Zinnen

Integrative Energien sind auch musikkulturell beeindruckender als fachidiotisches Gewusel und Gewurstel in eingezäunten Gebieten. Für den israelischen Pianisten Oren Shani - er entspricht eher dem Typus eines zupackenden, gleichsam vollmatrosenhaften Hand-Arbeiters als einem blassen Ästheten - gehören Bach, Cage und Ravel gleichermaßen zu einer pianistischen Überlieferung, deren Aneignung immer wieder ansteht. Cages Klavierkonzert von 1951 klingt hier denn auch besonders ausgehört und klangtransparent; in den Passagen des präparierten Soloinstruments ebenso wie in den Beiträgen der Budapester Symphoniker, die dem vom Komponisten berufenen "Zufall" (auch mit einigen apart eingestreuten Zitaten) durchaus ein wenig auf die Sprünge helfen. Statt dogmatischer Negativität oder Provokation die schöne Rätselgestalt einer freien, im erfüllten Einzelmoment ihren Sinn findenden, in ihrer Realisierung auch sensibel elaboriert anmutenden Kunst.

Fast aggressiver, jedenfalls frecher wirkt Ravels G-Dur-Konzert, das mit seinen Intonationen und seinem Klangkolorit den Jazz herbeizubeschwören scheint (dem es sich in seiner akribischen Gebautheit dann auch wieder entzieht). Während Shani hier raffiniert mit Rubato umgeht, gibt er dem d-moll-Konzert von J. S. Bach kraftvolle motorische Impulse. Der Matrose als Bergsteiger: drei herausragende Zinnen der Klavierliteratur werden auf je höchst unterschiedliche Weise überzeugend gemeistert.

HANS-KLAUS JUNGHEINRICH, Frankfurter Rundschau online, 23.07.2005

Bach, Cage, Ravel: Klavierkonzerte.  

Der Pianist Oren Shani kombiniert Klavier­konzerte aus drei Epochen: Bachs d-Moll-Werk, John Cages kühnes Konzert für präpariertes Klavier und Maurice Ravels raffiniertes Konzert G-Dur bilden eine besonders vielfarbige Mi­schung. Lior Shambadal be­gleitet stimmig mit den Sym­phonikern aus Budapest.

WAZ  10.Nov. 2005
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