Klangopulenz

Um Ludwig Thuille (1861-1907), einst berühmter Lehrer an der Münchner Akademie der Tonkunst, gruppierte sich um die Jahrhundertwende ein lockerer Kreis spätromantisch orientierter Komponisten (der spannende Beihefttext meint freilich, diese "Münchner Schule" sei eigentlich gar keine!). Mit üppigen Klangwogen und wuchtigem Zugriff aller Beteiligten offenbart Thuilles Klavierquartett seine große Begeisterung für das Kammermusikschaffen Schumanns und Brahms'. Auch die Cellosonate öffnet der ergreifenden Sonorität dieses Streichinstruments alle Möglichkeiten. Solche Ausdruckskraft kann heute noch ebenso begeistern wie damals seine vielen Schüler.

Dieter Steppuhn, Ensemble 2/04
Überschwang

Die "Münchner Schule" - so der Titel der CD-Reihe - ist eine Erfindung des Musikschriftstellers, Musiktheoretikers und Kompositionslehrers Rudolf Louis. Zu ihr werden Komponisten gezählt, die um 1900 vor allem in München gewirkt haben, etwa Max von Schillings, Hans Pfitzner, Walter Braunfels, Joseph Haas oder Rudi Stephan. Zu diesen Komponisten zählt auch der jung verstorbene Ludwig Thuille (1861-1907), der vor allem als Jugendfreund von Richard Strauss in Erinnerung geblieben ist. Seine beiden hier eingespielten Kammermusikwerke machen die Wertschätzung seiner Musik durch die Zeitgenossen unmittelbar verständlich. Das ist schwung- und klangvolle Musik von spätromantischem Zuschnitt, die als eine spezifische "Münchner Moderne" keinen Vergleich mit der wesentlich bekannteren "Wiener Moderne" mit Zemlinsky, Schreker oder dem frühen Schönberg zu scheuen braucht.

Freilich wird Thuilles Musik hier auch blendend interpretiert. Die Musiker überlassen sich ganz dem Impetus eines mitreißenden Musikmachens, ohne dass doch die Tonfluten überborden. Vor allem bleibt der Gesamtklang durchaus prägnant und strukturiert. Das liegt besonders am wirklich kammermusikalischen Klavierspiel von Berhard Fograscher, den der zeittypische vollgriffige Klaviersatz in keinem Moment dazu verführt, über seine Partner unangemessen zu dominieren. Und die Cellosonate repräsentiert eine willkommene Repertoirebereicherung, die hier in einer Referenz-Einspielung vorliegen dürfte. Unwillkürlich fragt man sich, warum diese Musik im ge-genwärtigen Musikleben so sehr vernachlässigt wird.

Bewertung
Interpretation
Klangqualität

Giselher Schubert, Fono Forum 2/04
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