Paganini-Belcanto

An Paganini-Einspielungen herrscht kein Mangel, sogar Gesamtdarstellungen der sechs Violinkonzerte gibt es gleich mehrere: Salvatore Accardo (DG, EMI) und Alexandre Dubach (Claves) haben sich dieser Herausforderung gestellt, der Italiener Massimo Quarta hat auf Paganinis "Kanone" mit einer Neuaufnahme begonnen (Dynamic). Ist Paganinis Musik überhaupt ergiebig genug, um eine weitere Gesamtaufnahme zu rechtfertigen? Die Antwort heißt ja, wenn man diese heikle Aufgabe so gewissenhaft angeht wie Ingolf Turban.

Dass Turban für Paganini ein Faible hat, ist bekannt. Die 24 Capricen hat er bereits eingespielt (mit Schumanns Klavierbeglei-tung, auf Claves), auch in Konzerten gibt er gern eine Paganini-Zugabe, mit sichtlicher Freude an der geigerischen Herausforderung. Die Konzerte Nr. 1 und Nr. 3 stehen am Beginn seiner Gesamtaufnahme mit dem WDR Rundfunkorchester. Und man hört sogleich: Turban liebt Paganini. Genussvoll singt er die lyrischen Passagen aus, er hegt und pflegt jede melodische Wendung, mal schmeichelnd, mal heroisch. Belcanto mit Geige. Und dann - der Kontrast könnte kaum wirkungsvoller sein - blitzen die Läufe und Skalen, fliegt der Bogen, peitscht das Ricochet. Als wäre all dies noch nicht genug, setzt Turban noch eigene Kadenzen als virtuose Glanzlichter oben drauf. Das Konzert Nr. 1 erklingt hier in der Originaltonart Es-Dur und nicht, wie gemeinhin üblich, in D-Dur. Brillanter geht's kaum.

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Interpretation
Klangqualität

Norbert Hornig, Fono Forum 7/02
Ingolf Turban: Paganini-Violinkonzerte 1 & 3.

Geiger müssen die Violinkonzerte von Paganini mit sportiver Brillanz anpacken, um zu gewinnen. Sie geben dem Affen Zucker, trommeln mit den Fingern flink übers Griffbrett und lassen den Bogen über die Saiten springen. Der Münchner Geiger Ingolf Turban führt in den Paganini-Konzerten Nr. 1 und 3, unterstützt von Lio Shambadal und dem WDR Rundfunkorchester Köln, alle Aspekte der musikalischen Zirkusnummern imponierend vor. Und in seinen Kadenzen outet sich Turban als Teufelsgeiger mit diabolischer Virtuosität.

Kultur Spiegel vom 30.03.2002
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