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Vier Temperamente
in originelles Portrait: Der versierte deutsche Pianist Wolfgang Manz, auch international gefragt, stellt sich mit drei Werken für Klavier und Orchester vor, die keineswegs zu den Standardstücken des Repertoires gehören. Und er musiziert mit drei Orchestern und drei Dirigenten, wobei die Aufnahmetechnik nicht durchweg den höchsten Ansprüchen genügt.
Mit dem Orchestre Royal de Chambre de Wallonie unter Georges Octors hat er Paul Hindemiths "Vier Temperamente" eingespielt. Der Flügel rückt in den vier Charakterbildern stark in den Vordergrund. Manz verleiht dem Thema mit vier Variationen ein prägnantes Profil. Dieses Beispiel der klassischen Moderne gehört keineswegs zu den Lieblingskindern der Pianisten. Dass Manz sich dafür stark macht, ist allein schon lobenswert.
Auch Claude Debussys Fantasie ist kein Dauerbrenner. Mit der Radio-Philharmonie Hannover des NDR und Bernhard Klee schafft Manz eine schlüssige, stimmige Deutung. Das Klavier wird ins Orchester als eigene Farbe integriert. Die NDR-Philharmoniker sind ein wenig in die akustische Ferne gerückt. Die beste Aufnahme kommt vom WDR Rundfunkorchester Köln, mit dem Manz das zweite Klavierkonzert von Friedrich Radermacher eingespielt hat. Dieses Konzert entstand 1990/91 und folgt in seiner Grundhaltung mit seiner Dreisätzigkeit, mit seiner Bläserbesetzung dem klassischen Muster. Wenn man so will: eine handwerklich ausgereifte, nicht übermäßig problematische Spielmusik. Siegfried Köhler ist der Dirigent, der den speziellen Charme dieses Konzertes herausarbeitet. Und Manz macht sich zum impulsiven, auch ausdrucksstarken Anwalt Radermachers.
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Michael Stenger, Fono Forum 3/03
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