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Der Schweizer Instrumentalpädagoge und Komponist Heiner Reitz, der in diesem Jahr sein 77. Lebensjahr vollenden wird, hat nach seinen Caprices für Cello nun jeweils 12 Caprices für Flöte solo und Gitarre solo vorgelegt. Bei der Aufnahme, die beim Label 'telos' erschienen ist, handelt es sich um die vom Komponisten autorisierte Erstaufnahme. Ansporn für die Kompositionen war der Mangel an Studienwerken, die angehende professionelle Instrumentalisten mit den Klängen moderner Musik vertraut machen. Alle Stücke stellen an die Ausführenden enorme spieltechnische Anforderungen und sind für fortgeschrittene Studenten gedacht, die sich einen Zugang zu moderer Musik erarbeiten wollen. Allerdings trifft der Begriff der Moderne auf die Kompositionen nicht wirklich zu: Das Hauptmerkmal der Stücke sind Intervalle oder harmonsiche Wendungen, die sich in sogenannter 'klassischer' Musik so nicht finden, neue Spieltechniken werden jedoch nicht eingesetzt, ebenso vermisst man außergewöhnliche rhytmische Wendungen oder neue Klangfarben. Lässt die Entstehungsgeschichte dieser Etuden trockene und langweilige Musik erwarten, so ist der Höreindruck eine angenehme Überraschung: Die Caprices sind durchaus wohlklingende und unterhaltsame Vortragsstücke, auch wenn sie ihren pädagogischen Hintergrund nicht verleugnen können. Am 'ohrenfälligsten' wird er bei endlosen Trillerketten, gewagten Sprüngen über den gesamten Umfang der Instrumente und halsbrecherischen Melodiebögen in extremen Tempi. Die 12 Caprices für Flöte geben dem Flötisten Peter-Lukas Graf Gelegenheit, die gesamte Bandbreite seines flötistischen Könnens zu zeigen: Ein gleichmäßig voller, satter Ton auch in den Randlagen des Instrumentes, weit auseinander liegenden Töne wie auf einer Schnur aufgereiht, große artikulatorische Bögen und natürlich eine enorme Finger- und Zungenfertigkeit machen sein Spiel zu einem besonderen Hörvergnügen. Ebenso wie für seinen Flöte spielenden Kollegen scheint es für den in Polen geborenen Gitarristen Andrej Mokry keine technischen Schwierigkeiten zu geben, so leicht und gezupft klingen die 12 Caprices für Gitarre bei ihm. Insgesamt eine CD, die Lehrer, Instrumentalisten, und natürlich Fans beider Instrumente viel Gelegenheit zum Hören und Staunen bietet.
Nora Burda, klassik.com 28.04.2002
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