Es vergeht wohl kaum ein Jahr, in dem nicht mindestens eine Produktion von Webers Klarinetten-Quintett (JV 182) neu auf den Markt kommt, und nicht immer können die Einspielungen befriedigen. Die 1999 entstandene Aufnahme, die die Firma telos music records vorlegt (TLS 021), kann sich allerdings hören lassen; die Interpreten sind der Klarinettist Dirk Schultheis und das telos music ensemble. Schultheis gibt sich im Booklet humorvoll als leidenschaftlicher Bergsteiger und Radrennfahrer und exzellenter Rotweinkenner zu erkennen, daß er daneben auch ein Könner auf seinem Instrument ist, beweist die Aufnahme. Seine Interpretation stellt nicht das technische Vermögen in den Vordergrund, vielmehr bezaubert das beseelte Spiel, das feine Klangempfinden und Ausdrucksvermögen. Fern jeder Starpose steht das kammermusikalische Miteinander im Vordergrund, und es ist tatsächlich eine besondere Freude, dem erstklassigen, absolut homogenen Streicherensemble – Anthony Flint, Andrea Barzen, Joachim Krist und Wen-Sinn Yang – zuzuhören, das sich von einer reinen Begleiter-Rolle emanzipiert. Mit sensiblem Gespür wird zwischen tragender motivischer Substanz und bloßem "Füllwerk" unterschieden, so daß der Satz an Transparenz gewinnt.

Das Streichquartett wird – und das macht den sympathischen Reiz der Aufnahme aus – nicht ausschließlich als ein klangliches Tableau zur Selbstdarstellung des Solisten begriffen, das Quintett ist vielmehr als Ensemblemusik zu erleben.

Internationale Weber-Gesellschaft, Berlin
Wieder eine jener großartigen Aufnahmen, die man auf den ersten Blick kaum wahrnimmt, weil sie nicht mit PR-Getöse an den Mann gebracht werden: die berühmten Klarinettenquintette Carl Maria von Webers und Mozarts eingespielt vom fantastischen Telos-Music-Ensemble und dem nicht minder großartigen Klarinettisten Dirk Schultheis.

Groß ist bei diesen Werken die Versuchung für einen Soloklarinettisten, die Eitelkeit obsiegen zu lassen, sich lediglich in bläserischer Equilibristik zu üben und die halsbrecherischen Intervallsprünge und bravourösen Tonkatarakte als Selbstzweck zu sehen. Ganz anders Dirk Schultheis: er ist Musiker durch und durch. Sein Spiel atmet, drängt, entfaltet sich, kurzum: es lebt! Technische Brillanz verbindet sich hier vollendet mit romantischer Inbrunst und Empfindung. In Webers langsamem Satz sind berückend verhauchende Pianissimo-Effekte zu hören, dass man nur sagen kann: Was für ein Künstler, was für ein künstlerisches Format!

An seiner Seite ein exquisit musizierendes Musikensemble, das in überragender Klangbalance Anmut und Virtuosität verbindet. In melodieseligen langsamen Sätzen wie dem von Mozarts berühmtem Klarinettenquintett lässt sich besonders die Qualität künstlerischer Darbietung prüfen. Driftet sie ins Sentimentale, ins Selbstgefällige ab, ist stets die bange Frage. Doch auch hier lässt sich Dirk Schultheis nicht zum narzisstischen Schönklang hinreißen.

RONDO 05.04.2001
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